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Energy Drinks

Dr. Claudia Ostercamp-Baehrens

Müde, schlapp und ausgelaugt? Kein Problem! Energy Drinks geben Ihnen bereits nach wenigen Schlucken ihre Power zurück - das verspricht zumindest die Werbung. Ernährungswissenschaftler melden da berechtigte Zweifel an.

Wer kennt die Szene nicht: Popeye, völlig abgeschlafft, kippt sich mit letzter Kraft eine Dose Spinat in den Mund und ist in Sekundenschnelle wieder topfit. Dass Spinat die Topwirkung wohl nur exklusiv für Popeye entfaltet, haben Sie sicher schon schmerzlich erfahren müssen. Den Leis­tungsschub für jedermann versprechen dagegen die Hersteller der sogenannten Energy Drinks. Geheimnisvolle Zutaten, wie Inosit, Taurin und Glucuronolacton sowie jede Menge Vitamine, bürgen für den Erfolg dieser "Wunderdosen" - jedenfalls laut Herstellern.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist von Inosit und Co. keinerlei Wirkung zu erwarten. Es handelt sich um Zwischenprodukte des Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsels, die in unserem Körper natürlicherweise vorkommen. Es gibt bisher keine wissenschaftlich haltbaren Gründe, weshalb ein gesunder Mensch sie zusätzlich über Tabletten oder Drinks einnehmen sollte.

Der Vitamingehalt der meisten Drinks ist verglichen mit den Zufuhrempfehlungen seriöser Institutionen, wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, unausgewogen. Es sind in der Regel nur wenige ausgewählte Vitamine enthalten und diese übersteigen dann meist den geschätzten Tageszufuhrsatz um ein Vielfaches.

Dass die Getränke Müdigkeit vertreiben und die Konzentrationsfähigkeit verbessern können, dürfte in erster Linie auf das meist enthaltene Koffein zurückzuführen sein. Eine Viertel-Liter-Dose hat in etwa soviel Koffein wie eine Tasse starker Kaffee.

Als Durstlöscher nach dem Sport aber sind die Energy Getränke übrigens denkbar ungeeignet. In großen Mengen getrunken kommt einiges an Koffein zusammen, so dass unangenehme Nebenwirkungen, wie Ruhelosigkeit, Herzrasen und eine verstärkte Urinproduktion mit erhöhten Wasserverlusten als Folge nicht ausgeschlossen werden können. Außerdem sind sie zu kalorienreich und mineralstoffarm, um hohe Schweißverluste wirkungsvoll ausgleichen zu können. Eine Apfelsaftschorle (3 Teile natriumhaltiges Mineralwasser und 1 Teil Apfelsaft) ist hier in jedem Fall besser.

Fazit

Energy Getränke enthalten in der Regel viel "Krimkrams", deren Wirksamkeit sehr fraglich ist. Für die schlaffen Minuten am Arbeitsplatz ist der gezielte und wohl überlegte Einsatz einer Tasse Kaffee der kostengünstigere Push. Im übrigen muss die Devise lauten: viel Obst und Gemüse, ein bisschen Fett sparen und ausreichend Trinken, dann "klappts auch mit der Power!" Die geballte Power aus der Dose bleibt wohl auch weiterhin Popeye vorbehalten.