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Dr. med. Jürgen Zapf
Abt. Sportmedizin,
Inst. für Sportwissenschaft
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Möglichkeiten der erlaubten Leistungssteigerung im Ausdauersport
Die Suche nach leistungssteigernden (ergogenen) Substanzen, die dem Athleten einen Vorteil im
sportlichen Wettkampf verschaffen sollen, ist wohl so alt wie der Sport selbst. Vielfache
Gesundheitsschäden und sogar Todesfälle vor allem in den Ausdauersportarten dokumentieren die
teilweise selbstzerstörerische Experimentierfreudigkeit des Sports in den vergangenen 100 Jahren,
die zum Verbot der Einnahme zahlreicher Präparate und zur Dopingliste geführt haben.
Kohlenhydrate - potentes Ergogenic
Verbessern mittelkettige Fette den Fettstoffwechsel?
Steigert L-Carnitin die Fettverbrennung?
Halten verzweigtkettige Aminosäuren die Ermüdung auf?
Glutamin, Hauptbestandteil des freien Aminosäurepools
Wirkt eine Zufuhr von Koffein - im erlaubten Rahmen - leistungsfördernd?
"Modern Energy Drinks" - was ist drin und dran?
Kreatin - Leistungssteigerung auch im Ausdauersport?
Mineralien, Spurenelemente, Vitamine - die i-Punkte bei den Ergogenics!
Dieser Beitrag bezieht sich mit Ausnahme des Koffeins ausschließlich auf Substanzen,
deren Einnahme erlaubt ist und die ohne gesundheitsschädliche Nebenwirkungen
auf direktem oder indirektem Weg der Leistungsstabilisierung oder Leistungssteigerung
dienen sollen. In der Regel sind das Stoffe, die auch in der natürlichen Nahrung
des Menschen vorkommen. Antioxidative Vitamine ( z.B. Vitamin C und E), Mineralstoffe
(Zink, Magnesium), Spurenelemente (Eisen, Chrom, Selen, Kupfer), Aminosäuren
(Arginin, Ornithin, BCAA, Glutamin, Taurin), energiereiche Stoffwechselzwischenprodukte
(Pyruvat, Aspartat, Ribose, Phosphatsalze), ungesättigte Fettsäuren und mittelkettige
Fette (MCT), L-Carnitin, Kreatin, Coenzym Q sind nur eine kleine Auswahl aus
einer kaum mehr überschaubaren Fülle von Substanzen, die dem Sportler die von
ihm so sehr erhoffte Wirkung der Leistungssteigerung jenseits von körperlicher
und mentaler Trainingsvorbereitung versprechen.
Vielen Athleten ist sicher gar nicht klar, dass die im Ausdauersport zwischenzeitlich schon fast
selbstverständliche Optimierung der Kohlenhydratzufuhr vor, während und nach Wettkampfbelastungen eine
der am besten untersuchten und in ihrer Wirksamkeit nachgewiesenen
leistungssteigernden (ergogenen) Ernährungsmaßnahmen darstellt. In
früheren Ausgaben von sportsCARE haben wir uns damit ausführlich beschäftigt.
Eine ausreichende Verfügbarkeit von Kohlenhydraten ermöglicht einen höheren
Energieumsatz pro Zeiteinheit und damit ein höheres Leistungsniveau. Der Sportler
ermüdet einfach später, da der Abfall des Blutzuckerspiegels hinausgezögert
wird. Die Ausschüttung von Streßhormonen fällt geringer aus, ebenso der Abfall
der anabolen Hormone Insulin und Testosteron. Die erforderliche Rate der Glukoseneubildung
aus freien Aminosäuren in der Leber ist niedriger. Dadurch werden auch die
Ermüdungssubstanzen Ammoniak im Blut und Serotonin im Gehirn in geringerem
Ausmaß gebildet. Die Regenerationsfähigkeit wird verbessert, indem der Körper
nach Belastung rascher in eine anabole Stoffwechsellage kommt. Die belastungsbedingte
Entzündungsreaktion fällt geringer aus, das Immunsystem wird gestärkt, so dass
man sich weniger leicht Infektionen einfängt.
Zahlreiche weitere ergogene Substanzen, die nachfolgend beschrieben werden,
greifen ebenfalls in diese Stoffwechselvorgänge ein. Der Sportler hat davon
nur einen Nutzen, wenn er auch auf eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr geachtet
hat.
Die Zufuhr herkömmlicher Fette, die überwiegend aus langkettigen Fettsäuren bestehen, ist unmittelbar vor
und während des Wettkampfes aus zahlreichen Gründen nicht sinnvoll. Langkettige Fettsäuren
stehen praktisch unbegrenzt in den körpereigenen Fettspeichern (subkutanes
und viszerales Fett) zur Verfügung. Nahrungsmittel mit hohem Fettanteil
verzögern die Verdauung erheblich, so dass Wasser und Kohlenhydrate
vermindert zur Verfügung stehen würden. Langkettige Fette werden nicht
wie Kohlenhydrate und Wasser aus dem Darm direkt in die Blutbahn aufgenommen,
sondern sie gelangen erst über einen komplexen Weg dorthin und stehen
deshalb erst ca. drei bis vier Stunden nach dem Verzehr dem Muskel
zur Verfügung.
Mittelkettige Fette (MCT) kommen in der natürlichen Nahrung nur in sehr geringen
Mengen vor und werden deshalb als künstliches Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
Sie besitzen gegenüber langkettigen Fetten einige wesentliche Vorteile: Sie
sind wasserlöslich und bei Raumtemperatur flüssig. Sie werden schnell resorbiert.
Sie gelangen ähnlich wie Kohlenhydrate direkt in die Blutbahn. Von dort können
sie direkt von der Muskelzelle aufgenommen und unabhängig vom Carnitin ins
Innere der Mitochondrien der Muskelzelle gelangen, wo sie schließlich oxidiert
werden.
Diese Eigenschaften der MCT haben zu der Annahme geführt, dass die Einnahme
ausreichender Mengen von MCT die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern würde
bzw. über eine Erhöhung des Fettverbrennungsanteils Muskelglykogen eingespart
werden könnte. Bei einer Einnahme von MCT in verträglichen Mengen (ca. 25-30
g/Std) in Kombination mit einer ausreichenden Kohlenhydratzufuhr werden die
MCT zwar zu etwa 70 Prozent verbrannt, jedoch in erster Linie im Austausch
mit langkettigen Fetten. Im Vergleich zur alleinigen Kohlenhydrateinnahme ändern
sich dabei weder die Gesamtfettverbrennung, noch wird in relevantem Ausmaß Glykogen
eingespart. Auch die Ausdauerleistungsfähigkeit blieb in den meisten Untersuchungen
weitgehend unbeeinflußt.
Die Einnahme von MCT als Ergänzung zur Kohlenhydrat-Zufuhr während körperlicher
Belastungen bringt deshalb nach gegenwärtigem Wissensstand keine Vorteile gegenüber
der alleinigen Zufuhr von Kohlenhydraten. Werden größere Mengen MCT (mehr als
40- 50 g/Std) verabreicht, so muß mit erheblichen Magen-Darm-Beschwerden gerechnet
werden, die die Leistungsfähigkeit bis zum Belastungsabbruch beeinträchtigen
können.
Die Substanz L-Carnitin besitzt eine zentrale Rolle
in der Regulation des Energiestoffwechsels. L-Carnitin ist als Trägermolekül
notwendig für den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien
der Muskelzelle, wo die Fettverbrennung stattfindet. Aufgrund dieses
Transportmechanismuses war der Gedanke naheliegend, dass eine zusätzliche
Zufuhr von L-Carnitin dessen Konzentration in der Muskulatur erhöhen
würde und dadurch die Transportkapazität und die Fettverbrennung bei
einer gegebenen Belastung gesteigert werden könnten.
Die Durchsicht zahlreicher Untersuchungen zeigt allerdings, dass die
Zufuhr von L-Carnitin auch in hohen Dosierungen von 2000-6000 mg/Tag (das entspricht
dem 30-100-fachen der täglichen Zufuhr mit der Nahrung) beim gesunden Menschen
mit normal gefüllten muskulären Gesamt-Carnitin-Speichern keine zusätzliche
Erhöhung der Fettverbrennung oder der Leistungsfähigkeit bei Dauerbelastungen
bewirkt.
L-Carnitin besitzt neben seiner Eigenschaft als Transportmolekül noch eine
weitere Funktion: Es dient als Puffersubstanz in der Zelle, indem es zellschädigende
Bruchstücke von Fettsäuren bindet, aus der Zelle herausschleust und eine Stabilisierung
des Glukosestoffwechsels bewirkt. Als kurzfristig im Blut verfügbarer Energieträger
kann es von Zellen des Immunsystems aufgenommen werden und spielt eine wichtige
Rolle bei deren Aktivierung. Dieses zellwandschützende, antioxidative und entgiftende
Potential wird therapeutisch bei Erkrankungen genutzt, die mit einer Beeinträchtigung
der Durchblutung (z.B. koronare Herzerkrankung), mit Hirnleistungsstörungen
(Alzheimersche Erkrankung) oder Immundefekten (AIDS) einhergehen. Untersuchungsergebnisse
mit gesunden Sportlern sind zwar widersprüchlich, deuten aber darauf hin, dass
eine Funktionsverbesserung über den Normalzustand des Gesunden hinaus nicht
wahrscheinlich ist. Befindet sich der Sportler in einem Stresszustand (z.B.
nach Wettkampfserien), so kann die Verabreichung von L-Carnitin in einer Dosierung
von 1-4 Gramm pro Tag als Immunstimulans in Erwägung gezogen werden. Es liegen
allerdings keine längerfristigen Beobachtungen zur Beeinflussung der Infektanfälligkeit
und der Regeneration bei Sportlern durch diese Substanz vor.
L-Carnitin ist fast ausschließlich in tierischer Nahrung enthalten (Fleisch,
Wurstwaren, geringer auch in Milch und Milchprodukten). Da es aber ähnlich
wie Kreatin in ausreichender Menge im Körper selbst hergestellt werden kann,
ist das Risiko eines L-Carnitin-Defizites selbst beim streng veganisch lebenden
Sportler gering. Für diese Personengruppe kann allerdings eine Nahrungsergänzung
mit L-Carnitin in niedriger Dosierung (z.B. 100-300 mg/Tag) in Erwägung gezogen
werden.
In den genannten Dosierungen sind bislang keine gesundheitsschädlichen Wirkungen
mit Ausnahme leichter, harmloser, selten auftretender Mißempfindungen im Magen-Darm-Trakt
beschrieben worden.
Was passiert eigentlich, wenn der Sportler ermüdet?
Wissenschaftler sind der Ansicht, dass der Anstieg des Neurotransmitters
Serotonin im Gehirn für die Entstehung einer zentralen Ermüdung während
körperlicher Belastung mit verantwortlich ist. Eine erhöhte Serotoninbildung
im Gehirn kann dann auftreten, wenn die Blutspiegel der verzweigtkettigen
Aminosäuren (BCAA) abfallen und vermehrt freie Fettsäuren in der Blutbahn
auftauchen. Dies ist bei Langzeitbelastungen besonders dann der Fall,
wenn gleichzeitig ein Kohlenhydratmangel besteht. Aber auch bei ausreichender
Kohlenhydratzufuhr konnte ein Abfall der BCAA-Blutspiegel von 15-30
Prozent bei langen Belastungen beobachtet werden. Die Zufuhr relativ
geringer Mengen BCAA (0,5 Gramm pro Stunde) z.B. als Zusatz in einem
KH-Elektrolyt-Getränk kann die Konzentrationsabfälle im Blut bereits
verhindern.
Diese Befunde legen nahe, dass die Zu-fuhr von verzweigtkettigen Aminosäuren
(BCAA) zusätzlich zu einer ausreichenden Kohlenhydratzufuhr während längerdauernder
Belastungen die Entwicklung einer zentralen Ermüdung verzögern könnte. Bislang
konnten durch diese Maßnahme allerdings keine sichtbaren Veränderungen der
Ausdauerleistung, des subjektivenBelastungsempfindens oder bestimmter Funktionen
beobachtet werden, die über den Effekt einer alleinigen Kohlenhydratzufuhr
hinausgingen. Leider gibt es gegenwärtig noch keine Untersuchungen über den
Einfluß einer BCAA-Supplementierung bei Ultrabelastungen.
In höherer Dosierung muss bei der Zufuhr von verzweigtkettigen Aminosäuren
während der Wettkampfbelastung mit Magen-Darm-Beschwerden und einem Anstieg
der Ammoniakkonzentration im Blut gerechnet werden.
Die Aminosäure Glutamin stellt mit ca. 60 Prozent
den Hauptanteil des freien Aminosäurepools des Muskels dar. Glutamin
ist in der Muskelzelle am Eiweiß- und Zuckerstoffwechsel beteiligt.
Es wird besonders von sich schnell teilenden Zellen (z.B. Immunsystem)
verarbeitet.
Nach körperlichen Langzeitbelastungen fallen die Glutaminspiegel im Blut ähnlich
wie die der BCAA um ca. 20 Prozent ab. Auch wiederholte intensive Trainingseinheiten
führen zu einem Abfall der Glutaminspiegel im Blut. Ein direkt leistungssteigernder
Effekt durch die Gabe von Glutamin vor oder während einer Wettkampfbelastung
ist nicht nachgewiesen. Die Datenlage deutet allerdings daraufhin, dass belastungsabhängige
Abfälle der Glutamin-Blutspiegel durch eine entsprechende Zufuhr verhindert
werden können. Es ist noch nicht vollständig geklärt, ob die Gabe von Glutamin
nach der Belastung zusammen mit ausreichend Kohlenhydraten dazu beiträgt, dass
der Körper sich rascher erholen kann, die Infektanfälligkeit nach langen Belastungen
(z.B. Marathonlauf) reduziert wird und ein Umschalten in die anabole Stoffwechsellage
rascher erreicht werden kann.
Koffein ist im Sport eine "regulierte" Droge, die
auf der Dopingliste steht. Das bedeutet, der Athlet darf bis zu einer
gewissen Grenze Koffein zuführen, da dieses natürlicherweise oder künstlich
in zahlreichen Lebens- und Genußmitteln vorkommt (Kaffee, Softdrinks,
Schokolade, Kakao). Übersteigt die Koffeinkonzentration im Urin allerdings
einen bestimmten Grenzwert (12 µg/ml), so gilt der Befund als Doping
positiv. Um solche Werte zu erreichen, müssen erhebliche Mengen Koffein
(> 6-8 mg/kg Körpergewicht, das entspricht mindestens vier bis fünf
Tassen schwarzen Kaffees oder drei bis vier Liter Cola) zugeführt werden,
wobei es große individuelle Schwankungen gibt. In Laborversuchen konnten
bei bereits viel niedrigeren Dosierungen (< 3 mg/kgKG) eindeutig
leistungsfördernde Effekte vor allem bei Ausdauerbelastungen nachgewiesen
werden, ohne dass die festgelegte Höchstgrenze im Urin überschritten
wurde. Dabei wurde wiederholt beobachtet, dass das Koffein in natürlichen
Lebensmitteln (z.B. Kaffee) deutlich weniger wirksam zu sein scheint
als die gleich hohe Koffeinmenge in Tablettenform.
Die stimulierende Wirkung des Koffeins mit einer Verbesserung von Antrieb,
Stimmung, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit macht sich vor allem im ermüdeten
Zustand bemerkbar und dürfte hauptsächlich für die Leistungssteigerung bei
Langzeitbelastungen verantwortlich sein. Daneben werden auch eine verminderte
Kaliumausscheidung aus der Muskelzelle und eine Verbesserung der Fettverbrennung
und dadurch bedingte Glykogeneinsparung (allerdings nur in den ersten 15 Minuten
einer Belastung nachweisbar) als leistungssteigernde Wirkmechanismen unter
Fachleuten diskutiert.
Es hat sich im Triathlon auf der Langdistanz eingebürgert, dass koffeinhaltige
Cola-Getränke zumindest ab der Marathonstrecke angeboten und von den Athleten
auch gerne und reichlich konsumiert werden. Da die Athleten zu diesem Zeitpunkt
in der Regel bereits mehr oder weniger ermüdet sind, stellt sich die Frage,
ob der geringe Koffeingehalt dieser Getränke in der Lage ist, in dieser Situation
eine stimulierende, ermüdungsmindernde und damit leistungssteigernde Wirkung
zu erzielen. Ein Liter Coca Cola enthält 128 mg Koffein. Das entspräche einer
Zufuhr von etwa 2 mg/kg Körpergewicht und läßt eine leistungssteigernde Wirkung
möglich erscheinen. Gegenwärtig gibt es allerdings noch keine Untersuchungen
und auch keine gesicherten Hinweise, ob die Zufuhr von Cola-Getränken im Langzeitausdauerbereich über
ihre Flüssigkeits- und Kohlenhydratkomponente hinaus einen leistungssteigernden
Effekt bewirkt. Unter Dehydratationsbedingungen muß etwa ab einem Konsum von
2,5 - 3,5 Liter mit einem positiven Dopingbefund gerechnet werden. Es sei hier
auch darauf hingewiesen, dass Coca Cola keinesfalls ein ideales Rehydratationsgetränk
ist. Coca Cola ist durch seinen hohen Zuckergehalt von bis zu 130 mg/l stark
hyperton und enthält nur geringe Mengen Natrium. Beim Genuss sehr großer Mengen,
vor allem in unverdünnter Form, muß deshalb vermehrt mit auftretenden Störungen
gerechnet werden.
Koffein entfaltet eine ganze Reihe von Nebenwirkungen, die die geistige und
körperliche Leistungsfähigkeit im Sinne einer Übererregung auch drastisch vermindern
können. Schlaflosigkeit, Unruhe, Nervosität, Muskelzittern und -zucken, Herzrasen,
Herzrhythmusstörungen, vermehrte Wasserausscheidung und Magenbeschwerden sind
nur einige davon.
Allerdings ist es individuell sehr unterschiedlich, wie der einzelne Sportler
darauf reagiert.
Es muß hier nochmals eindringlich darauf hingewiesen werden, dass es sich bei
der Einnahme von Koffein in Tablettenform nicht um eine Nahrungsergänzung,
sondern einzig und allein um eine Manipulation im Sinne der Leistungssteigerung
handelt. Werden dabei die Uringrenzwerte überschritten, so ist der Sportler
Doping positiv und muß mit entsprechenden Sanktionen rechnen. Die Einnahme
von Koffein in Tablettenform ist zumindest aus ethischer Sicht im Sport absolut
abzulehnen!
Neben Zucker sind die Hauptbestandteile sogenannter "Modern
Energy Drinks", Koffein und Taurin. Diesen Getränken dürfen bis zu
350 mg/l Koffein zugesetzt werden (das entspricht etwa der Menge von
3 Tassen Kaffee oder 3 Liter Coca Cola), so dass bei einem Konsum von
mehr als 1 Liter bereits mit einem positiven Dopingbefund gerechnet
werden muß. Die potentielle Leistungssteigerung ist in erster Linie
auf den Kohlenhydrat- und Koffeingehalt dieser Getränke zurückzuführen,
die Mechanismen wurden bereits ausführlich erklärt.
Seriöse Untersuchungen zu einer leistungssteigernden Wirkung durch die Zufuhr
der Aminosäure Taurin existieren kaum. Taurin spielt eine wichtige Rolle in
der Volumenregulation der Zelle. Es besitzt in Verbindung mit Vitamin A eine
antioxidative Schutzwirkung der Zellmembranen vor allem von Zellen des zentralen
Nervensystems. Ein erniedrigter Gehalt von Taurin in der Muskelzelle, der im
Tierexperiment z.B. bei alten Tieren beobachtet wird, führt zu einer Verschlechterung
der elektrochemischen Muskelfunktion.
Es ist gegenwärtig vollkommen hypothetisch, ob die Zufuhr von Taurin aufgrund
der beschriebenen Funktionen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
steigert bzw. einen Ermüdungseintritt verzögern kann.
95 Prozent des Gesamtkreatingehaltes des Körpers
sind als Kreatin oder Kreatinphosphat in der Muskulatur gespeichert.
Diese Substanz versetzt den Muskel in die Lage, hochintensive Belastungen über
kurze Zeit von einigen Sekunden Dauer zu bewältigen. Gleichzeitig ist
Kreatinphosphat ein Puffer gegen die Übersäuerung des Muskels.
Die Einnahme von Kreatin in einer täglichen Dosierung von ca. 0,3 g/kg Körpergewicht
(das entspricht 20-30 g/Tag, also dem 20-30-fachen der Zufuhr mit der natürlichen
Nahrung) über vier bis fünf Tage führt zu einer Vergrößerung der Muskelkreatinspeicher.
Dieses erhöhte Niveau kann im weiteren Verlauf durch eine Erhaltungsdosis von
ca. 0,03 g/kg Körpergewicht (2-3 g/Tag) gehalten werden. Die Leistungsfähigkeit
vor allem bei hochintensiven, wiederholten Intervallbelastungen von einigen
Sekunden bis einigen Minuten Dauer kann durch die Einnahme von Kreatin nachweislich
gesteigert werden. Bei gleichmäßigen Ausdauerbelastungen, die länger als 30
Minuten dauern, läßt sich kein leistungssteigernder Effekt erreichen. Die verbesserte
Leistungsfähigkeit z.B. bei wiederholten Zwischensprints bleibt allerdings
auch während oder nach einer Ausdauerbelastung offensichtlich erhalten.
Mit der Erhöhung des Kreatingehaltes findet gleichzeitig eine Einlagerung von
Wasser in die Muskelzellen statt. Dies führt zu einer Körpergewichtszunahme
von ca. 2 kg innerhalb weniger Tage. Bei körpergewichtsbezogenen Sportarten
muß dies berücksichtigt werden, da dies möglicherweise einen negativen Effekt
auf die Leistungsfähigkeit entfaltet. Die vermehrte Wassereinlagerung scheint
mittel- und langfristig die Eiweißsynthese im Muskel zu steigern, so dass längerfristig
neben der Wassereinlagerung auch ein Muskelmassenzuwachs zur Körpergewichtserhöhung
beiträgt. Es konnte gezeigt werden, dass sich bei einem Krafttraining sowohl
die Maximalkraft als auch die maximale Wiederholungszahl einer Übung durch
die Zufuhr von Kreatin über den alleinigen Trainingseffekt hinaus deutlich
erhöhen lassen.
Als Nebenwirkungen der Kreatineinnahme wurden wiederholt das vermehrte Auftreten
von Muskelkrämpfen und unangenehmem Spannungsgefühl in der Muskulatur beschrieben.
Neuere Untersuchungen konnten allerdings weder eine Häufung dieser Beschwerden
noch eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit während oder nach Kreatineinnahme
bestätigen.
Ähnlich wie L-Carnitin ist auch Kreatin ein natürlicher Bestandteil tierischer
Nahrungsprodukte und kommt in größeren Mengen in rotem Fleisch und Fisch vor
(3-5 g/kg). Die tägliche Aufnahme mit der natürlichen Nahrung liegt in der Regel
bei gemischter Kost bei ca. 1 g/Tag. Mehr als 3-4 g pro Tag können mit der natürlichen
Nahrung kaum zugeführt werden. Die körpereigene Kreatinproduktion sorgt dafür,
dass auch beim vegetarisch lebenden Menschen ein Kreatinmangel praktisch nicht
vorkommt.
Kreatin gilt als Nahrungsergänzungsmittel, so dass selbst die Einnahme täglicher
Mega-Dosierungen von 20-30 g (dazu wären ca. 7 kg Fleisch mit der natürlichen
Nahrung erforderlich) erlaubt ist und nicht als Doping gilt. Da Kreatin und
sein Abbauprodukt Kreatinin hauptsächlich über die Niere ausgeschieden werden,
darf die Substanz bei Nierenfunktionsstörungen nicht eingenommen werden. Die
Einnahme von ca. 2 Gramm pro Tag führt beim Gesunden auch längerfristig zu
keinen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen. Für höhere Dosierungen über einen
langen Zeitraum gibt es bislang noch keine ausreichende Erfahrung über mögliche
schädliche Nebenwirkungen.
Es würde den Rahmen dieses Beitrages weit sprengen,
die vielfältigen Funktionen, die diese Stoffe im Körper haben, zu beschreiben.
Sie sind unter anderem verantwortlich für das Milieu und die Flüssigkeitsverteilung
innerhalb und außerhalb der Zellen, für die elektrischen Eigenschaften
und die Stabilität der Zellmembranen. Sie fungieren als Ko-Faktoren
wichtiger Enzymsysteme im Energiestoffwechsel, beim Sauerstofftransport
und in der Atmungskette. Sie schützen Zellstrukturen vor freien Radikalen
in ihrer Wirkung als Antioxidantien. Sie hemmen entzündliche Prozesse,
fördern die Wundheilung, sind an der Zellvermehrung beteiligt und beeinflussen
den Zustand des Immunsystems.
Diese Eigenschaften unterstreichen die große Bedeutung, die diese Substanzen
haben, wenn es darum geht, hohe geistige und körperliche Leistungen zu erbringen.
Ein Mangel oder eine ungenügende Versorgung können zu entsprechenden Defiziten
und damit zu einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führen. Untersuchungen über
die Ernährungsgewohnheiten von Sportlern zeigen, dass diese nicht optimal mit
Mikronährstoffen, insbesondere mit den Vitaminen A, C, E, D, einigen B-Vitaminen
(vor allem B1 und B6), Magnesium, Zink, Kupfer, Jod und Selen versorgt sind.
Diese unzureichende Versorgung ist in der Regel sowohl auf ein schlechtes Ernährungsverhalten
als auch auf den erhöhten Bedarf durch die sportliche Belastung zurückzuführen.
Die Empfehlung, kritische Mikronährstoffe zusätzlich zur täglichen Nahrung
zuzuführen, ist deshalb immer dann sinnvoll, wenn der Sportler seine natürliche
Nahrungszufuhr nicht verbessern kann oder will. Außerdem sollte er in Zeiten
extrem hoher Energieumsätze oder in Situationen, wo die Zufuhr eines breiten
Nahrungsangebotes nicht möglich ist (Etappenwettkämpfe, Höhenbergsteigen etc.),
besonders die antioxidativen Vitamine C und E, B-Vitamine, sowie Magnesium,
Zink, Kupfer und Selen zusätzlich einnehmen.
Wird eine Unterversorgung individuell und gezielt mit diesen Substanzen ausgeglichen,
dann kann dies mit einer entsprechenden Leistungssteigerung bzw. Stabilisierung
beeinträchtigter Funktionen (Immunsystem, antioxidativer Zellschutz, Regenerationsverhalten)
einhergehen. Diese Tatsache erklärt möglicherweise die Beobachtung, dass einzelne
Athleten auf bestimmte Präparate sehr gut ansprechen, andere wiederum nicht,
und dass Untersuchungen mit einer größeren Zahl von Versuchsteilnehmern zu
recht widersprüchlichen Ergebnissen kommen.
Eine direkte Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Mega-Dosierungen
einzelner Stoffe über den Zustand einer guten Versorgungslage hinaus konnte
bislang für keine der Substanzen nachgewiesen werden.
Es ist allerdings durchaus üblich und gefahrlos möglich, die Einnahme z.B.
der antioxidativ wirkenden Vitamine C und E und der wasserlöslichen B-Vitamine
einige Zeit vor und nach Extrembelastungen auf ein Vielfaches der normalen
Tageszufuhr zu erhöhen und gleichzeitig den Mineralhaushalt durch entsprechende
Präparate aufzufüllen. Wenngleich die Datenlage dazu umstritten ist, so deuten
einige Untersuchungen darauf hin, dass durch eine solche Maßnahme die Infektanfälligkeit
vermindert und die Erholungsfähigkeit verbessert werden können.
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