Trainingslexikon
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Paddels im Schwimmtraining


Anwendungszwecke für Paddels

Paddels werden verwendet für:

  • Trainingshilfe zur Verbesserung der Technik
  • Verbesserung der intensiven und Schnelligkeitsausdauer
  • Unterstützung des Sprinttrainings

Trainingshilfe zur Verbesserung der Technik

Die Idee von Paddels ist, mit einer Vergrösserung der Handfläche während der Zugphase das Gefühl für das Wasser zu verbessern. Das Paddel lässt dich den richtigen Anstellwinkel bei den einzelnen Phasen des Armzugs besser spüren (Stichworte: S-förmiger Armzug, Paddelbewegung). Paddels leisten - richtig angewendet - einen Beitrag zum neuromuskulären Lernen. Die so erlernten Bewegungen werden mit der Zeit auch ohne Paddels automatisch ausgeführt.

Die meisten Paddels haben um einen Finger und um das Handgelenk ein Gummiband. Viele Trainer empfehlen, das Gummiband um das Handgelenk zu entfernen, weil man dann das bessere Gefühl für das saubere Eintauchen der Hand entwickelt. Mit nur einem Gummiband um einen Finger beginnt das Paddle zu Flattern, oder es fällt sogar weg, wenn die Hand im falschen Winkel eintaucht.

Paddels, die mehr als etwas grösser sind als deine Handfläche, können deinen Schultern schaden (s. Schwimmenschulter).

Der Vortrieb beim Schwimmen entsteht durch eine Kombination der Widerstands- und Auftriebskraft an der Hand und am Arm (die Rolle des Beinschlags sowie der Längsrotation bzw. Querrotation des Körpers auf den Vortrieb lassen wir hier beiseite). Der Anstellwinkel der Hand bei der Paddelbewegung kann durch geeignete Paddelübungen mit Paddels gelernt und verbessert werden. Für diese Technikübungen sind grössere Paddels als die Hand weniger geeeignet.

Mit Paddels sollten keine Grundlagenausdauerbelastungen geschwommen werden; sie sind besser geeignet, um entweder die Armzugtechnik, die Schnelligkeitsausdauer und die Schnelligkeit zu verbessern. Achtung: Der Gebrauch sollte 25% des Trainings nicht überschreiten. Wenn du sie zu oft und ohne Überwachung durch einen Trainer gebrauchst, werden sie zu einer Krücke, um Fehler zu überdecken anstatt zu einem Hilfe, um Fehler zu korrigieren.

Verbesserung der intensiven und Schnelligkeitsausdauer

Paddels vergrössern die Fläche der Hand und dadurch brauchst du mehr Kraft für den Armzug. Dies gilt aber nur, wenn die Armzugtechnik nicht durch eine Vergrösserung des "Schlupfs" schlechter wird. Genau hier liegt das Problem: Nur wenn die Biomechanik des Armzuges qualitativ gleich bleibt, wird ein Trainingseffekt erzielt. In der Realität erfüllen nur Spitzenschwimmer diese Voraussetzung, und auch nur mit Paddels, die nicht wesentlich grösser sind als die Hand sowie über kurze Zeit. Bei Ermüdung werden die koordinativen Fähigkeiten und die Armzugtechnik schlechter. Mangelhafte Schwimmtechnik mit Paddels kann zu Ellbogenverletzungen (seltener) und Schulterverletzungen (häufiger) führen.

Für Kraulschwimmer besonders geeignet sind am Handgelenk breite und gegen die Finger zugespitzte Paddels (Beschreibung s. unten), weil sie wahrscheinlich den Stress auf die Schulter reduzieren

Unterstützung des Sprinttrainings

Nach Maglischo (Swimming even faster) kann Schwimmen gegen erhöhten Widerstand ("Sprint-Resisted Training", Fallschirm, Gummiseil) oder mit Hilfsmitteln wie Flossen oder Paddels ("Sprint-Assisted Training") zur Verbesserung der Sprintgeschwindigkeit genutzt werden (Wettkampfgeschwindigkeit). Das Sprint-Assisted Training hat den Vorteil, dass die Zugfrequenz und die Schwimmtechnik nicht beeinträchtigt werden. Mit Paddels kann gleich schnell oder sogar schneller als Wettkampfgeschwindigkeit geschwommen werden. Maglischo weist aber darauf hin, dass dabei "die Zugfrequenz unbedingt gleich hoch wie im Wettkampf sein muss." Für Maglischo sind Flossen wegen der fehlenden Verletzungsgefahr besser als Paddels. Richard Quick propagiert den Gebrauch von Paddels nicht, toleriert sie aber, wenn eine seiner Schwimmerinnen sie unbedingt gebrauchen will. für das Sprint-Assisted Training und Parachutes für das Sprint-Resisted Training. Damit die Fallschirme nicht zu tief sinken, wird mit einer kurzen Schnur ein Pullbuoy befestigt

Tipps für den Gebrauch von Paddels

Zusammenfassend empfehlen wir:

  • Verwende kleine Paddels, nur wenig grösser als die Handfläche.
  • Entferne das Gummiband ums Handgelenk. Ein Gummiband um einen Finger ist am Besten.
  • Baue die Verwendung von Paddels langsam auf, über Wochen.
  • Leg das Schwergewicht auf einwandfreie Schwimmtechnik.
  • Gebrauche Paddels nach dem Aufwärmen. Bei Ermüdung keine Paddels gebrauchen.
  • Verwende Paddels nur kurze Zeit während maximal 25% des Trainings.

Es gibt drei Arten von Paddles

  1. Grosse Paddles, die auf allen Seiten die Hände überlappen, teilweise mit Löchern, und die je einen Gummiring um das Handgelenk und die Finger haben. Sie sind für die Paddelübungen ungeeignet.
  2. Fingerpaddles, die nur die Finger bedecken, die Handteller frei lassen und nur einen Gummi für den Ring- und Mittelfinger haben.
  3. Paddles, die nur gerade den Handteller oder die Finger decken. Idealerweise haben sie keinen Gummi, sondern einen Mittelsteg, den man zwischen Ring- und Mittelfinger klemmt.

Paddles 2) sind geeignet, Paddles 3) sind die besten, weil man bei diesen einen konstanten Wasserdruck auf das Paddle erzeugen muss, sonst fallen sie einfach ab. In jedem Fall - auch mit Gummibändern - dürfen die Paddles nicht gehalten werden, die Finger müssen flach und entspannt auf den Paddles liegen.

Paddeln Sculling

Paddelübungen

Lerne die Paddelbewegung in brusttiefem Wasser: Halte die Arme fast gestreckt und etwas voneinander vor dich. Drehe die Handflächen etwas nach innen und führe die Arme unter Wasser zusammen (s. Bild links). Dann drehe die Handflächen nach aussen und führe die Arme mit einer Wischbewegung nach aussen (s. Bild rechts). Wenn du das Paddeln auf diese Art beherrscht, kannst du zu den folgenden Übungen weiter gehen.

Basisübung 1 (stationär)

  • Ziel: Anstellwinkel und Hub/Widerstand spüren lernen. Körper senkrecht im Wasser (schwimmend, nicht abstehen) die Hände schweifen seitwärts und vorwärts und beschreiben von oben gesehen eine Acht. Die Übung kann durch Gewichte an den Füssen gesteigert
  • werden (2 bis 8 kg) für Leute, die wirklich gut sind.

Basisübung 2 (stationär)

  • Ziel: Anstellwinkel und Hub/Widerstand spüren lernen. Gleiche Position wie bei der 1. Basisübung. Zusätzlich, bei gestrecktem Körper:
  • Körper seitwärts pendeln
  • Körper vor- und rückwärts pendeln
  • Fussspitzen über dem Boden kreisförmig pendeln lassen
  • Flache Wasserlage, Körper rundherum kreisen lassen (Kopf ist im Kreismittelpunkt)

Basisübung 3 (Rolle der Handstellung)

  • Ziel: Erlernen des Wassergefühls: Wie beeinflusst die Handstellung den hydrodynamischen Hub/Widerstand?
  • Rückenlage, Füsse voraus, Hände seitlich, Fingerspitzen zeigen nach ...
  • Rückenlage, Kopf voraus, Hände seitlich, Fingerspitzen zeigen nach ...
  • Gleiche Übungen auf der Bauchlage, Arme nach vorne gestreckt. Paddle mit einer Hand oder beiden gleichzeitig vorne hin und her. Das ist eine gute Übung, um das Wasserfassen im Crawl, Brust und Delfin zu lernen. Denk aber daran, dass der übermässige Gebrauch von Paddles, vor allem in der Wasserfass-Position, zur sog. Schwimmerschulter führen kann.
  • Atmen in Bauchlage: Kopf zum Atmen kurz heben, sonst Blick gerade nach unten richten.
  • Beine: Zur Abwechslung leichten Crawl-beinschlag. Ausnahmsweise kannst du vielleicht ein Pull-Buoy verwenden.

Geschwindigkeit der Hand

  • Ziel: Schnelle Änderungen der Handstellungen und des Anstellungswinkels können Vortrieb mit relativ geringem Aufwand erzeugen.
  • Rückenlage, Füsse voraus, Arme und Hände über Kopf (Torpedo-Position der Synchronschwimmerinnen). Paddelbewegungen über Kopf (Daumen und kleiner Finger führen abwechslungsweise die Bewegung, der Anstellwinkel muss bei jedem halben Paddelzyklus geändert werden). Sehr gute Schwimmerinnen und Schwimmer schaffen 25 m unter 20 Sek.

Wasserfassen, hoher Ellbogen für Crawl, Delphin und Brust

  • Ziel: Nach dem Eintauchen, resp. zu Beginn des Armzugs, muss das Wasser gefasst werden, und zwar mit hohem Ellbogen
  • Bauchlage, Arme nach vorne gestreckt, Zugphase beginnen mit seitlichen Paddelbewegungen und mit hohem Ellbogen (Innenrotation des Arms!). Nach dem Wasserfassen nicht drücken. Bis max. Schulterbreite ziehen (mit Paddelbewegungen und zunehmendem Druck), dann Hände widerstandsarm wieder nach vorne bringen. Metapher: Mit den Armen über ein Fass lehnen.

Übergang Zug-Druckphase für Crawl, Delphin und Rücken

  • Ziel: Hohe Körperlage und Aufbau des maximalen Drucks während des Übergangs von der Zug- in die Druckphase ...
  • Bauchlage, Kopf voraus. Hände und Arme auf Schulterhöhe. Ellbogen seitlich nahe den Rippen fast an der Wasseroberfläche. Die Unterarme nicht strecken sondern ungefähr in einem rechten Winkel zu den Oberarmen lassen. Unterarme paddeln hin und her.

Abschluss der Druckphase für Crawl, Delphin und Rücken

  • Ziel: Abschluss der Druckphase verbessern.
  • Bauchlage, Kopf voraus. Hände auf Hüfthöhe (Arme nicht gestreckt). Mit Händen und Unterarmen paddeln.

Ganze Lage

  • Ziel: Verbesserung der Technik und der Fein- und Feinstkoordination der Armzugmuster bei Wettkampfgeschwindigkeiten. Kleine Paddles verwenden (knapp grösser als Handteller).
  • Sprints über max. 25 m, ganze Lage. ca. 20 bis 30 Sek. Pause zwischen den einzelnen Sprints. Konzentration auf korrekte Technik, nicht Geschwindigkeit