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Anatomie des Schultergelenks
Die "Schwimmerschulter" ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Problemen von Muskeln und
Sehnen der Rotatorenmanschette (engl. Rotator Cuff, s. Bilder), sowie von diversen Bändern, dem
Schleimbeutel und den Knochen des Schultergelenkes:
- Die vier Muskeln der Manschette: Supraspinatus, Infraspinates, Teres minor, Teres major
- Schulterpfanne oder Glenoid mit Gelenkskapsel - Kopf des Oberarmknochens
- Äusseres Schlüsselbeingelenk oder acromioclaviculares Gelenk mit Band
- Coracoacromiales Band
- Schleimbeutel unterhalb Acromion und coracoacromialem Band
- Bizepssehne
- Supraspinatussehne (unter Schleimbeutel)
Der Name "Rotatorenmanschette" kommt daher, dass die vier beteiligten Muskeln den Oberarm nach
oben, innen und aussen drehen (rotieren) können. Darüber hinaus halten diese Muskeln den Humeruskopf
in der Gelenkspfanne.
Verletzungen der Rotatorenmanschette sind relativ häufig, nicht nur bei Schwimmern.
Die allgemeinen Symptome sind Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Heben des Arms.
Viele können auf der betroffenen Schulter nicht liegen und wachen in der Nacht
mit Schmerzen auf. Beim Heben von Gegenständen bemerkt man auch Kraftlosigkeit.
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Oben: Knochen, Gelenkskapsel und Bänder des Schultergürtels von vorne gesehen.
Links: Knochen und Muskeln des Schultergürtels von vorne (linkes
Bild) und von hinten (rechtes Bild). Der Schleimbeutel befindet sich unterhalb
des Acromions und des coracoacromialen Bandes. Zwischen Schleimbeutel und
Humeruskopf geht die Infraspinatusmuskel/-sehne durch.
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Folgende Faktoren können die Schwimmerschulter verursachen oder fördern:
- Verminderte Beweglichkeit der Muskeln des Schultergürtels und der Rotatorenmanschette
- Instabile, zu stark gedehnte Schulterkapsel
- Schwache Muskulatur, besonders an den Schulterblättern ansetzende und hintere Rotatorenmanschettenmuskeln (Spinatus)
- Anatomie des Gelenks (grosses, nach unten verlaufendes oder mit Vorsprung versehenes Acromion
(angeboren) sowie verdicktes coracoacromiales Band (angeboren, erworben)
- Schlechte Haltung
- Schlechte, nach vorne gebeugte Sitzhaltung (Buckel, Schultern nach vorne)
- Schlafen auf der Seite auf extra-harter Unterlage
- Rasche Erhöhung des Trainingsvolumens (Kilometer pro Woche)
- Schlechte Schwimmtechnik/-mechanik
- Blick nach vorne statt nach unten (Kopfheben beim Crawl)
- Kopfheben beim Atmen anstatt Körper zu Rollen (Crawl)
- Übermässiger
Gebrauch von Paddles, besonders von Grossen
- Mangelndes Gymnastiktraining, kein Kräftigungsprogramm an Land
Einige Vorbeugemassnahmen
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Ein Grund für Schulterschmerzen können verkürzte Muskeln oder
zu wenig kräftige Muskeln des Schultergürtels sein. Man muss also Dehnen und
Kräftigen: Aber richtig. Zum Dehnen: Zuviel ist ungesund. Nur die Muskeln dehnen
und nicht die Bänder und die Gelenkkapsel, viele der etablierten
Stretchingübungen dehnen die Gelenkkapsel zu stark, was die Stabilität des Schultergelenkes
verschlechtert.. Zur Verkürzung neigen vor allem der Brustmuskel (Pectoralis),
der zur typischen, schlechten Haltung vieler SchwimmerInnen beiträgt.
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Zum Kräftigen: Besonderes Gewicht muss auf eine Kräftigung der Muskeln
der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur gelegt werden,
da dies unter anderem hilft, das Schultergelenk zu stabilisieren
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Verbessere deine Haltung
Merkmale der schlechten Haltung:
- Kopf (Kinn) nach vorne gezogen: Ohr vor der Schulterebene
- Oberer Teil des Brustkorbes mit Schultern nach vorne gezogen
durch schwache Schulterblattmuskulatur und verkürzte Brustmuskulatur
(Muskeldysbalance): Arme liegen vor Hüfte
Merkmale der guten Haltung:
- Kopf/Kinn leicht zurückgezogen: Ohr liegt in der Schulterebene
- Kopf, Schultern und Hüfte liegen in einer Ebene
Versuche diese Haltung auch während der Arbeit einzunehmen, insbesondere
bei Arbeiten am Schreibtisch oder bei Computerarbeiten.
Eine gute Haltung trägt bei zum Schutz vor Schulterproblemen, darüber
hinaus wird wegen der wasserschlüpfrigeren Körperhaltung der Wasserwiderstand reduziert.
Schwimmtechnik
Schulterverletzungen werden vor allem beim Crawl- und Delfinschwimmen
beobachtet, meistens entstehen sie auch bei diesen beiden
Stilarten. Rücken- und Brustschwimmen sind weniger häufig das ursächliche Problem.
Beim Crawl und Delfin ist in 90% der Fälle das sog. "Impingement" die
Ursache von Schulterschmerzen. Beim Impingement hat der Gelenkskopf des Oberarmknochens
nach oben Freiraum und schlägt dabei die Sehne der oberen Rotatorenmanschette
(Supraspinatus) auf das Acromion und coracoacromiale Band (s. anatomisches
Bild oben rechts). Das kommt vor bei:
- Überbeweglicher Schulter, und
- während der Rückführung des Armes und dem Wasserfassen
Das kommt auch vor bei einer Innenrotation des Armes (Handfläche
aussen, Daumen hinten) während der Rückführung nach vorne. Das führt
zu einer wringenden Bewegung (Kompression) auf die hintere Rotatorenmanschette
(Supraspinatus).
Wenn du schon mal Schulterprobleme gehabt hast, oder um sie zu vermeiden, prüfe
deine Schwimmtechnik/-mechanik und falls zutreffend ändere sie wie folgt:
- Vermeide die Innenrotation der Hand, des Unter- und
Oberarms speziell während dem Nachvornebringen und beim Wasserfassen.
Innenrotation heisst, wenn die Handfläche nach aussen schaut, mit
dem Daumen nach hinten. Stattdessen muss die Handfläche nach Innen
schauen mit dem Daumen voraus, kleiner Finger hinten (Arm im Uhrzeigersinn drehen).
- Hoher, gebeugter Ellbogen während dem Nachvornebringen; Arm nie gestreckt.
- Das Stanford-University Team (Head Coach Richard Quick)
wendet mit Erfolg einen anderen Ansatz an: Die Arme entspannt gestreckt
nach vorne schwingen (ballistisch) bei gleichzeitigem Körperrrollen,
so dass die Arme vor der Schulterblattebene nach vorne gebracht werden
können. Auch beim Delfinschwimmen werden die Arme vor der Schulterblattebene
zurückgeführt. Kopfhaltung bei beiden Lagen immer tief (persönliche
Mitteilung Milt Nelms).
- Prüfe, ob das Eintauchen etwas weiter als Schulterbreite
etwas bringt (11 und 13 Uhr), fast so wie im Delfin.
- Nach dem Eintauchen und beim Wasserfassen den Arm
nie bis zum Anschlag im Ellbogengelenk nach vorne durchstrecken (Thorpe
macht das zwar, Van den Hoogenband aber nicht. Bei Thorpe geht das
wahrscheinlich ohne Probleme weil er mit seinem Beinschlag diese
Phase des Wasserfassens bis zum Krafteinsatz überbrückt.
- Keine nach unten oder nach hinten gerichteten Krafteinsätze
beim Wasserfassen, solange der Unterarm nicht genügend tief in die
hohe Ellbogenposition gesunken ist.
- Keine Paddles. Das Problem mit Paddles ist, dass man
tendenziell zu früh mit Ziehen beginnt, weil es länger braucht, bis
die Hand genügend tief zum Wasserfassen gesunken ist. Das schlägt
den Gelenkskopf des Humerus nach oben. Daüber hinaus "zwingen" Paddles
die Meisten den Arm innenrotiert nach vorne zu bringen - insbesondere
dann, wenn der Körper zuwenig gerollt wird.
- Vermeide das betonte Strecken des Arms oder den letzten
Stoss am Schluss der Druckphase. Versuche stattdessen, die Druckphase
mit leicht gebeugtem Ellbogen und beginnender Aussenrotation der
Hand und des Arms abzurunden (wie Thorpe). Paddles verschlimmern
dieses Problem in vielen Fällen.
- Schwimm mal eine Zeitlang keinen Delfin mehr.
- Beim Rückencrawl Arm mit dem Daumen voraus nach vorne
führen, nicht wie es im Lehrbuch steht mit dem kleinen Finger; drehe
den Arm erst kurz vor dem Eintauchen nach einwärts.
- Wenn immer möglich Innenrotation vermeiden, beispielsweise
beim Anschlag oder bei Beinschlagübungen
auf der Seite.
- Halte den Kopf tief (Blick auf den Beckenboden, vom
Kopf schaut praktisch nichts aus dem Wasser), den Kopf nicht Drehen
oder Heben zum Atmen sondern mit dem Körper rollen.
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